4# Es werde Musik
4# Es werde Musik

4# Es werde Musik

Was hat Musik mit dem Schreiben eines Romans zu tun? Die Antwort ist alles und auch rein gar nichts. Bevor ich mich an das aberwitzige Projekt eines Romans herangewagt habe, tobte ich mich zuvor verstärkt mit Fotos, Grafiken, Screenshots und Videos aus. Mein erstes Projekt in der Größenordnung des Buchschreibens war die Erstellung eines Storyfilms im MMORPG Dark age of Camelot. 2 Jahre Produktionsdauer und 1Std 44min Laufzeit später stand ich vor meinem fertigen Film und durfte mir eine neue Beschäftigung suchen. Wieso also nicht auch mein absolutes Lieblingsspiel verfilmen? Das Filmprojekt „the resurrection of the genius“ war geboren. Doch wie so oft im Leben soll nicht alles nach Plan verlaufen und als die goldene Zeit Dark age of Camelots allmählich ihr Ende fand, wurde es auch um die Idee eines weiteren Storyfilms stumm. Die immer geringeren aktiven Spieler interessierten sich kaum noch für Aktivitäten abseits des Wettkampfs im PvP, sodass ein Projekt dieser Größenordnung nicht mehr in der gewünschten Qualität zu realisieren war. So änderte ich eines Tages das Medium von Film auf Buch, sodass ich unabhängig von der Unterstützung anderer mein Vorhaben starten und vorantreiben konnte, etwas Eigenes aus der Terranigma-Welt zu erschaffen. Doch existierte die Idee nun schon so lange als Film in meinem Kopf, sodass ich viele Szenen mit Bild und Ton in meinen Gedanken weiterführte. Die Bilder und Drehorte wichen mit der Zeit, doch die Musik blieb.

Beim Schreiben der ersten beiden Akte orientierte ich mich daher verstärkt nach Liedern, die ich mir für die Handlungsabschnitte und Situationen herausgesucht habe. Ein Marsch durch verwüstetes Land wird von einer ebenso tristen und leblosen Musik begleitet, wohingegen beim Kampf schon mal um die Wette getrommelt wird. Ich bediente mich hierzu an zahlreichen herausragenden Musikstücken aus Filmen, Videospielen und sonstigen Soundtracks. Ironischerweise fiel die Wahl nur sehr selten auf die Lieder aus Terranigma selbst, da sie mir für meinen teils ernsteren filmorientierten Ton oft zu verspielt oder heroisch sind und nicht die jeweils gewünschte Atmosphäre widerspiegeln. Bei meiner Musikwahl bediene ich mich unter anderem gerne bei Komponisten wie Michael Giacchino(LOST), Hans Zimmer(Inception) und als gamer selbstverständlich auch beim Großmeister Nobuo Uematsu(FF). Doch sollen auch von Terranigma gewählte songs genannt werden, wie das „Crysta theme/hometown“, „a place to rest/good night“, „barren land“ und natürlich auch „Resurrection/open the door“ und „elle’s theme“.

Als ich irgendwann den dritten Akt erreicht hat, merkte ich schnell, dass diese Vorgehensweise des music first auf Dauer nicht zu halten ist. Nachdem Ark nun wieder verstärkt mit Menschen in Kontakt tritt und dabei viele Dialoge zu Papier gebracht werden, lassen sich die Szenen und Gespräche immer schwieriger in das enge Korsett eines Musiktitels zwängen, wenngleich ich mich fortan immer mehr an den Musikschnitt begeben habe, wodurch ich einzelne Lieder passend verlängert oder auch mehrere Lieder kombiniert habe. Einem zunächst nicht geeigneten Lied habe ich einen Regenschauer unterlegt, wodurch sich und Handlung perfekt ineinander verwoben haben.

Mittlerweile habe ich den modus write first erreicht. Ich schreibe also frei drauflos, ohne mir darüber Gedanken zu machen, ob ich überhaupt geeignete Musikstücke finden werde. Die Kapitel wurden immer länger und die berücksichtigten Dialoge, Beschreibungen und Details immer zahlreicher, da ich nun ausreichend Platz für all meine Ideen habe und sie nicht mehr zum Wohle der Musikdauer zerstückeln muss. Es lebe der directors cut.

Musik wird dennoch weiterhin eine tragende Rolle während des Schreibens der Kapitel bleiben. Sie bieten mir Inspiration und helfen mir mich in eine emotionale oder aufregende Szene hineinzufühlen. Noch immer fallen mir viele neue Szenen und Dialoge ein, wenn ich bei einem neuen Film oder Serie verstärkt auf die Hintergrundmusik achte und sie mir für ein späteres review merke. Immerhin erkenne ich nun sehr oft den Komponisten eines Films und kann mit den Augen Rollen, wenn ich ihn dabei erwische, wie er seine früheren Werke für einen neuen Film recycelt.

M.X.H

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