7# Es war einmal in Tibet
7# Es war einmal in Tibet

7# Es war einmal in Tibet

Was geschieht im Spiel?

Nach dem Kampf gegen den Morphdämon bricht Ark geschwächt zusammen und findet sich in einem gemütlichen Bett wieder. Nach all der Zeit sieht er endlich wieder in das Gesicht eines Mitmenschen. Hiermit beginnt der dritte Akt mit dem deutschen Titel „Licht und Schatten“ und dem englischsprachigen Titel „Resurrection of the Genius“.

Wir verlassen unser kleines, urig eingerichtetes Zimmer und finden uns auf so etwas wie einer Höhlenstadt innerhalb eines Berges wieder. Schnee liegt auf dem Boden, die Bewohner sind in dicke Pelze gewickelt und berichten von ihrem Leben in Harmonie in Lhasa, unter dem wachsamen Auge von Lord Kumari. In der englischen Sprachausgabe erfahren wir zusätzlich noch, dass Ark für drei Jahre im Koma gelegen hat, nachdem er bewusstlos aufgefunden worden ist. Lord Kumari scheint gut über uns Bescheid zu wissen. Von ihm erfahren wir, dass wir nicht mehr mit Pflanzen und Tieren kommunizieren können. Er lädt uns dazu ein in Lhasa zu bleiben, bis wir wieder vollständig zu Kräften gekommen sind. Überhaupt scheint Kumari mehr als bloß ein spiritueller Führer zu sein, da er laut einer Bürgerin auch über heilende Kräfte verfügen soll, mit denen er jede Krankheit und Verletzung heilt. Doch bevor wir uns weiter entspannen können erscheint auch bereits Meister Ma-Jo, ein Schüler des (früheren) Lord Kumaris. Er mache sich Sorgen Enkelin Mei-Lin, die noch immer unter dem Tod ihrer Eltern leidet. Mit der Gabe ausgestattet Illusionen zu erschaffen, kehrt sie zum Unglücksort ihrer Familie zurück. Hiermit beginnt unsere Quest zur Rettung von Mei-Lins Seelenfrieden.

Wir reisen also nach Luran, der vom Krieg ausgelöschten Stadt, die uns bei unserer Ankunft gar nicht so geisterhaft in Erscheinung tritt. Wir unterhalten uns mit den überfreundlichen Bewohnern und treffen nebenbei noch auf den Reisenden Hedi. Wir finden die gesuchte Mei-Lin, die mit ihren Eltern und ihrem Hund Deppi/Turbo ein friedliches Leben zu führen scheint. Doch nach einer Übernachtung in Luran bemerken wir, dass nichts davon real ist und wir uns in den mit Zombies überfüllten Ruinen Lurans wiederfinden. Mithilfe von Mei-Lins liegengelassenen karmesinroten Schal und ihrem Hund gelingt es uns das selbst in einer Illusion verborgene Mädchen aufzuspüren. Nun endlich spricht Mei-Lins Mutter zu ihr und kündet von der bevorstehenden Wiedergeburt von Mei-Lins Eltern. Das Leben wird weitergehen, wie auch Mei-Lin ihr Leben frei von Hass und Trauer weiterleben soll. Als Dank für die Unterstützung gibt uns Ma-Jo den Tipp, uns an die Nomaden am Rande der Wüste zu wenden. Sie können uns zeigen, wie wir die Wüste nach Westen überqueren können. Ähnlich äußert sich auch Hedi, wobei wir natürlich nicht bloß aufgrund eines Ratschlags unsere Hilfe angeboten haben.

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Was geschieht im Buch?

In der Retrospektive ist hier tatsächlich beinahe alles anders und ich will eigentlich nicht zu viel offenbaren, aber ich fasse es mal ein wenig zusammen.

Wir erwachen nach einem langem, tiefen Schlaf im Haus des Yangchen(Ma-jo), der uns gemeinsam mit seiner Enkelin Mei-Lin in der Wildnis aufgefunden und nach Shigatse gebracht hat. Unser Beinahetod und das darauffolgende Koma haben uns unserer Erinnerung beraubt. Wir können unseren Rettern und den Bewohnern Shigatses also nicht mitteilen, wer wir sind und was uns in ihr Land geführt hat. dies führt zu einem Streit zwischen Yangchen und Mei-Lin, da letztere Fremden gegenüber misstrauisch eingestellt ist und daher an unserer Aufrichtigkeit zweifelt.

Nachdem wir uns im Hause Yangchens erholt, gewaschen und neu eingekleidet haben, führt man uns in den Trashilhünpo-Tempel zu Tendzin Gyelpo, dem Penchen Lama und spirituellen Führer Shigatses. Wir erfahren vieles über ihn, Shigatse und der vom Glauben angetriebenen Lebensart der Tibeter. Ohne Erinnerung und Ziel bleiben wir zwangsläufig in Shigatse gestrandet und werden mit der Zeit mehr und mehr einer von ihnen. Als Namenloser wird uns der Name Tamche zu teil.

Es kommt der Tag, an dem Mei-Lin damit beauftragt wird, Tamche zu dem Ort zu führen, an dem sie und Yangchen ihn einst aufgefunden haben, wogegen sie sich zwar sträubt, sie es letzten Endes aber zu akzeptieren hat. so kommt es, dass Mei-Lin und Tamche eine Reise durch das Tibetische Hochland bestreiten, auf der Tamche viel über sie und ihre tragische Vergangenheit erfährt.

Als sie den Fundort Tamches erreichen, stürzt dieser unweit durch eine verborgene Öffnung in eine Höhle, in der etwas findet, dass ihm eine unerwartete und unverständliche Emotion hervorruft. Obgleich die Erinnerungen noch immer im Verborgenen liegen, scheint der Vorfall in der Höhle aber auch die Reise selbst, etwas an der Beziehung zwischen Tamche und Mei-Lin verändert zu haben. Doch auf dem Weg zurück nach Shigatse begegnen sie einer Person, die von großer Bedeutung für Tamches Zukunft als auch Mei-Lins Vergangenheit ist.

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Warum die Unterschiede?

Die hauptsächlichen Gründe dürfte ich bereits im ersten Artikel erwähnt haben. Übertrag von Spiel zu Buch, Historischer Kontext, weniger Fantasy und Magie, Kein Zeitraffer bzw. Zeitsprünge ab Akt 3, etc. Für mich hat das Spiel hier einen plothole, den ich mit meiner Handlung hoffentlich umgehen kann. Im Spiel erwachen wir in Lhasa, helfen als Wildfremder einen Mann dabei seine minderjährige Enkelin zur Vernunft zu bringen, nur um dann ohne einen echten Grund nach Westen zu reisen, wo wir spontan in einen Thronsaal einlaufen, wo uns das Spiel netterweise wieder in der Handlung mitnimmt.

Es gibt aber auch Gründe, die nicht sofort auffallen. Zum einem ist mir das Schicksal Lurans zu ähnlich zu Storkholm aber viel wichtiger ist noch, dass wir später nicht mehr nach Asien zurückkehren werden und ich daher die Figur von Wong und seinen Beitrag zur Haupthandlung bereits frühzeitig berücksichtigen möchte. Mei-Lin Kindheit und die Aufbearbeitung ihres Verlusts liegt bereits hinter uns. Wir begegnen ihr als junge Erwachsene und werden Zeuge der komplizierten Beziehung, die sich zwischen ihr und Ark entwickelt. Sie wird uns im weiteren Handlungsverlauf auch nicht nach Frankreich verfolgen, uns nicht in schwedischen Wäldern auflauern und uns erst recht nicht in einem Verlies in Spanien hinters Licht führen.

Selbst Lhasa und Lord Kumari sind ein guter Grund. Das dargestellte Lhasa passt nicht ganz zum echten Lhsasa und ein Lord Kumari hat auch nicht viel mit dem Dalai Lama zu tun. Ihn und Lhasa im historischen Kontext korrekt zu behandeln, erweist sich zudem als nicht ganz trivial. Daher habe ich, bei allem Respekt für die Stellung Penchen Lama, mit Shigatse eine wunderbare, weniger prominente Alternative gefunden, in der unser Ark und sein Abenteuer zumindest für mich besser vorstellbar wären.

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Inspirationsquellen und Recherche

Wie auch im Artikel zum Abschnitt Spanien beschrieben, erfreue ich mich an der Inspirationsfindung und Recherchen, für die ich Bücher, Filme und wenn möglich auch Videospiele verwende. Im Falle von Tibet habe ich mir die ein oder andere Dokumentation angesehen und die Bücher von Heinrich Harrer (sieben Jahre in Tibet), James Hilton (Der verlorene Horizont) und Markus Braun (der letzte Buddah) gelesen oder auch Hermann Hesse (Siddhartha), auch wenn letzteres lange vor dem Schreiben des Tibet-Abschnitts gelesen wurde. Bei den Videospielen durfte Nepal in Form von Far Cry 4 als grobe Inspirationsquelle herhalten. Es ist immer eine große Freude, wenn ich die Hobbys Videogames und das Terranigma-Buch kombinieren kann und dabei noch genauer auf die vielen kleinen Details achte, die bei einem gewöhnlichem Gameplay vielleicht untergegangen wären.

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Auszug aus einem Terraeterno-Kapitel:

Der kleine Kessel wackelt bedrohlich und speit feinen Wasserdampf in die Höhe. Schnell löscht Yangchen das Feuer und stellt den Kessel vorsichtig auf eine freie Stelle. Er inspiziert nun den Inhalt einiger kleiner Stoffbeutel und zwischen seinen feingliedrigen Fingern zerreibt er einige der darin enthaltenen Teeblätter, die er sich Beutel für Beutel vor die Nase hält. Das Klopfen an der Tür kam so unerwartet, dass er den letzten Beutel ungeschickt fallen lässt und dessen gesamter Inhalt auf den Boden verstreut wird. Ein lautes Fluchen dringt durch die Tür nach draußen und als Yangchen sie endlich öffnet, steht ein überaus verschreckt dreinschauender Tamche vor ihm.

„Yangchen…war das gerade eben eure Stimme?“ und ohne zu wissen wie ihm geschieht, läuft Yangchen noch im hohen Alter zum zweiten Mal in seinem Leben rot an. Das erste Mal ist bereits 60 Jahre her, worum er bislang noch immer ein Geheimnis zu pflegen wusste.

„Ahh Tamche, du musst mir verzeihen aber der ganze Tag ist…“ und mitten in seinem Satz geht er in die Knie und beginnt die weit verteilten Teeblätter aufzusammeln, währenddessen er noch gewissenhaft ein bis zwei Mantras rezitiert.

„Wartet, lasst mich euch helfen“, sagt Tamche und sammelt sorgfältig die Blätter in seiner unmittelbaren Umgebung ein.

„Ich hätte ja gedacht, hier in Shigatse wird ausschließlich Buttertee getrunken“, merkt Tamche beiläufig an.

„Damit hast du auch nicht unrecht, aber so ganz wird man alte Gewohnheiten dann doch nicht mehr los.“

„Sind die hier alle noch aus eurer Zeit in China?“

„Nein, wo denkst du hin. Ein so guter Tee ist dazu da um getrunken zu werden und nicht um in einem Regal zu verstauben. Ich kaufe ihn den Händlern ab, die von Indien kommend Richtung Lhasa ziehen und hier einen Zwischenhalt einlegen. Die Händler selbst stammen übrigens aus Bhutan. Ich sage dir, die Welt hat sich sehr gewandelt.“

Nachdem jedes der größeren Blätter wieder in den Beutel zurückgelangt ist, widmet sich Yangchen wieder seinem Teekessel und nimmt zufrieden zur Kenntnis, dass daraus noch immer Rauch aufsteigt.

„Ich würde dich ja dazu einladen mir bei einem guten Schluck Tee Gesellschaft zu leisten, doch wir wissen beide, dass nicht ich es bin, der dich in mein Haus führt. Vor allem da der Buttertee im Trashilhünpo ganz hervorragend schmeckt.“

„Ich glaube, ich habe mich noch immer nicht an den Geschmack gewöhnt.“

„Das behältst du aber für dich: ich auch nicht und ich trinke ihren Tee schon seitdem ich noch mein volles Haar auf dem Kopf trug.“

„Ob es da einen Zusammenhang gibt?“, fragt Tamche.

„Daran besteht doch wirklich kein Zweifel“, antwortet Yangchen und prustet vor Lachen los.

„Ahhh, ich sollte das nicht tun, wo ist meine Gebetsmühle, wenn ich sie brauche?“

„Ist sie hier?“

„Meine Mühle?“

„Mei-Lin.“

„Ah natürlich. Die Ursache dafür, dass du meinen köstlichen Tee ablehnst. Sie verlässt früh morgens das Haus und kehrt erst in der Nacht wieder zurück. Ich wünschte ich könnte dir helfen, doch wenn sie nicht gefunden werden möchte, wird sie auch niemand finden. Sie ist von klein an darin geübt, sich vor den Menschen um sich herum zu verstecken.“

„Das ist alles meine Schuld. Ich muss mich auch bei euch entschuldigen. Ihr habt mich gerettet und gegen den Willen vieler hier aufgenommen und alles was ich euch entgegenbringe sind noch mehr Probleme.“

„Siehst du das so? Du machst dir zu viele Gedanken. Eine Last der Jugend.“

„Mei-Lin sieht das auch so.“

„Ihr jungen Leute seid zu impulsiv. Wenn ihr euch verletzt, kennt ihr nur die Extreme und nehmt den kurzen, direkten Weg, selbst wenn dieser euch in die Irre führt. Ihr sagt was ihr nicht fühlt und fühlt was ihr nicht aussprecht. Wong ist zurückgekehrt. Jener Mann, der ihr alles nahm was sie liebte und ihr teuer war. Beinahe hätte er dich getötet. Alles was sie seitdem fühlte war Schmerz, Kummer und Niederlage. Als er das Leben ihrer Eltern nahm, da nahm er zugleich das ihre.“

„Was soll ich also tun?“

„Zeige ihr, dass das Leben noch immer lebenswert ist und Momente des Glücks nicht für immer verloren sind.“

„Ich wünschte ich wüsste wie. Was kann ich denn tun? Wong finden und ihn zur Strecke bringen? Würde das etwas ändern?“

„Nein, das würde es nicht. Sie lebte die letzten zehn Jahre in einer Welt ohne Wong und dennoch…“, erklärt Yangchen, gefolgt von einem schweren Seufzer. Er klopft Tamche auf die Schulter.

„Ich denke du weißt, was du zu tun hast. Rede mit ihr, nicht mit mir. Doch nun trink endlich einen Tee mit mir oder such das Weite. Ein alter Mann braucht schließlich seine Ruhe.“

„Danke“, sagt Tamche zum Abschied und lässt Yangchen mit seinen weit gereisten Aromen zurück.

Yangchen & Mei-Lin

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